Uli Preuss, flugbegeisterter Reporter des Solinger Tageblatts hatte war im Dezember Im Flugsimulator Airbus A320 in Düsseldorf

Heute ist ein guter Tag fürs Fliegen. Die Sicht von mehr als zehn Kilometern ist erstklassig über der Rheinebene. Nur eine dichte Wolkendecke in 5700 Fuß Höhe stört ein wenig. Wir steigen ins Cockpit und bereiten den Flug von Düsseldorf nach Sint Maarten in die Karibik vor. Triebwerkhebel nach vorne gedrückt, Bremse los, der Airbus Flugsimulator heult auf und rollt an. Bei 260 Stundenkilometern heben wir von der Startbahn 23 ab. Schnell ist der Rhein unter uns.

Pilot Benjamin Schmidt, in diesem Moment „pilot non flying“, arbeitet mir zu, stellt gerade Kurs und Geschwindigkeit ein. Ich sitze auf dem rechten Sitz, „rühre“ mit dem Joystick, um endlich in eine solide Fluglage zu kommen. Der Autopilot, aus der Verkehrsfliegerei nicht wegzudenken, ist ausgeschaltet. Unser A 320 Flugsimulator ist mit 26 Passagieren vollbesetzt, bei einem echten Flug könnte das Arbeitstier der Linienpiloten 180 Gäste mitnehmen.

Auch ohne teure Hydraulikpumpen ein realistisches Fluggefühl

Doch der Airbus, den wir fliegen, ist kein echter. Und seine Startbahn liegt nicht in Düsseldorf-Lohausen, sondern in einem modernen Reisebürotrakt in Oberkassel. Doch sitzt man erst einmal im Flugsimulator-Cockpit, ist die Büroatmosphäre zehn Meter hinter einem schnell vergessen.

Sechs Computer sorgen dafür, dass das „Fliegen“ zu einem echten Erlebnis wird. Über 24 000 Verkehrsflugplätze weltweit können programmiert werden. Darunter auch die schwierigsten Airports wie meinen Wunschplatz Sint Maarten auf den kleinen Antillen. Die Runway dort beginnt wenige Meter hinter dem Strand und gilt als berüchtigt.Weit vorher beginnen wir mit dem Landeanflug im Flugsimulator. Noch gleiten wir mit verringerter Reisegeschwindigkeit auf die kleine Insel zu. Der Princess Juliana Airport ist etwas für Könner. Denn gleich hinter dem Ende der Landebahn ragen Berge mit gut 600 Metern Höhe auf. Wer hier den Punkt verpasst, muss verteufelt schnell steigen. Damit die Piloten im richtigen Winkel anfliegen, blinkt am Boden eine visuelle Landehilfe. Drei Grad dürfen nicht über- oder unterschritten werden. Das Bild in unserem Cockpitfenster gleicht dem echten Tropenparadies. Blaues Meer, weißer Strand, ein Kreuzfahrschiff im Hafen und kleine rote Autos, die vor der Landebahn hin- und herfahren.

Simulationsflüge, wie sie Benjamin Schmidt über seine Solinger Firma Aerotask betreibt, sind erschwinglich. „Wir sind nicht mit einem teuren hydraulischen System wie etwa in einem Lufthansa-Simulator ausgerüstet“, sagt Pilot Schmidt. Dadurch hat man nicht das Gefühl eines echten, ruckeligen Starts oder einer steilen Kurve, wie sie die Hydraulikpumpen bei der DLH in Bremen oder Frankfurt simulieren. Während es bei der Lufthansa bei etwa 400 Euro beginnt, bietet Benjamin Schmidt seine Flüge zwischen 79 und 279 Euro an.

Auch ohne sogenannte Full Flight Systeme ist es im Airbuscockpit aufregend. Erstaunlich, wie das Gehirn auf Fluglagen aller Art reagiert. Ein Film im Cockpitfenster gibt Echtheit vor. Die Hand am Steuer verkrampft unweigerlich, leitet man zum Beispiel eine falsche Flugfigur ein.

Am Ende gelingt schweißgebadet die harte Landung.

Benjamin Schmidts Flugbegeisterung ist geerbt. Der Großvater war Segelflieger, der Vater ist Fluglehrer. Kaum zwei Jahre ist es her, da machte der Sohn aus der Not eine Geschäftsidee. „Gut 3000 arbeitslose Piloten tummeln sich mit mir auf dem Markt“, erzählt er, warum er begann, Flüge in Simulatoren zu vermarkten. Die stehen heute in Dortmund, Mülheim und Düsseldorf. Roermond und Frankfurt bietet Schmidt mit an. Gespräche über einen Simulator im Hofgarten verliefen vorerst ohne Ergebnis.

Drei weitere junge Berufspiloten betreuen mit Schmidt die Gäste. Die meisten haben ihren Flug-Gutschein als Geburtstagsgeschenk bekommen. Aber auch ganze Firmen sind dabei, wenn es im Flugsimulator in die Oberkasseler Büroluft geht.

Der Landeanflug auf Sint Maarten ist derweil in der letzten Phase. Kaum noch 1000 Fuß hoch ist unser Airbus aus Düsseldorf, und der künstliche Horizont mahnt eine Korrektur des zu schräg fliegenden Flugzeuges an. 30, 20, 10 . . ., der Bordcomputer „spricht uns runter“, jetzt kurz noch die Nase hochgezogen, dann setzen wir hart auf. Ein Simulatorflug mit echter Wirkung eben. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Willkommen, Karibik, äh, pardon, Oberkassel.

Von Uli Preuss (Text und Foto) Original Artikel hier

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